Festkonzert zum 150. Geburtstag 2007

Während anderswo in der Region Männerchöre, von  Nachwuchssorgen geplagt, verstummen, feierte der Männergesangverein Liederkranz Iffezheim mit 600  Gästen ein rauschendes Jubiläumskonzert in der BBAG-Halle. Der dynamische und homogene, aus über sechs Dutzend Sängern bestehende Klangkörper ließ in seinem 150ten Jahr keine Zweifel daran, daß er jung geblieben ist und riß mit seiner ausgewogenen Mischung aus alter und neuer Chorliteratur unter dem erfahrenen und sicheren Dirigat von Herbert Szymanski  die Zuhörer zu Begeisterungsstürmen hin. Begleitet  wurde der Chor von den Leitern der Städtischen Schule für Musik und Bildende Kunst in Bühl: Klaus Martin Kühn am Flügel und Bernd Kölmel an den Percussions, sowie von Dorothea Jügelt auf der Violine.

Mühelos hielt der Männergesangverein-Liederkranz die in den Auftaktstücken „Sing mit mir“ (Milton Ager) und „Wir machen Musik“ (Peter Igelhoff / Helmut Käutner) enthaltende Versprechen und  bot  an diesem Abend beste, mit bekannten Melodien durchsetzte, musikalische Unterhaltung.

Eloquent und sachkundig führte Moderator Hubert Müller in den Opernblock ein, in dem zunächst Friedrich Smetanas „Chor der Landleute“ aus „Die verkaufte Braut“ das Rund der Auktionshalle füllte. Mit „Freude vertreibe die Nacht“ setzte der Männerchor einen gelungenen Schlußakkord unter Giuseppe Verdis stimmungsvolles „Trinklied“ aus „La Traviata“, in dem er die Liebe hochleben ließ.

Geräumig orchestral stimmte Klaus-Martin Kühn am schwarz glänzenden „Schimmel“ den Bizetschen Toreromarsch aus der Oper „Carmen“ an, dessen schwierige Eingangspassage vom Chor souverän gemeistert wurde. Im Fortissimo galoppierte der Chor akzentuiert dem von den Zuhörern sehnsüchtig erwarteten Hauptthema des Stückes („Auf in den Kampf“) entgegen, das im Piano leichtfüßig den Kehlen der Bässe entströmte, um im Fortissimo vom Gesamtchor übernommen zu werden, welcher in fulminanten Tempo unter der exakten Führung des musikalischen Leiters Herbert Szymanski auf das prächtige Finale zusteuerte. Mit dieser Operngala, die dem für einen Laienchor äußerst brillanten Ersten Tenor dessen ganzes Können abverlangte, unterstrich der Jubilar sein weit überdurchschnittliches Können.

Eine Verschnaufpause gönnten Dorothea Jügelt vom SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden/Freiburg (Violine)  und Klaus-Martin Kühn (Piano) dem Chor, als sie mit ihrem brillant und feurig vorgetragenen „Czardas“ von Vittorio Monti das andächtig lauschende Publikum in die ungarische Puszta entführten. Mit der „Juliska aus Budapest“, dem Foxtrott aus der „Maske in Blau“ (Fred Raymond), führten die Sänger ihre Zuhörer weiter die Donau hinauf und leiteten über in einen bunten Strauß von Otto Groll arrangierter Melodien aus den Wiener Klangkonditoreien. Leicht und beschwingt, mal schrammelnd, mal im Dreiviertel- oder Marschtakt besangen die Herren des Männergesangverein-Liederkranz Freude, Frohsinn, Tage voll Sonnenschein, um dann über den blühenden Prater das Herz im „Weißen Röss'l“ zu verlieren.

Nach der Pause empfingen die neun Mitglieder des MGV-Liederkranz-Vokalensembles „Just for Fun“ mit „Frisch gesungen“ (Friedrich Silcher) die Besucher und verrieten bei „Ein Freund, ein guter Freund“ (Willy Parten) ihre unbändige Lust am Singen.

Mit Ernest Golds „Exodus“ setzte der Gesamtchor mit Oskar-gekrönter Filmmusik sein Programm fort. Dem sehnsuchtsvollen Epos um die alte neue Heimat der Holocaust-Überlebenden im Gelobten Land, dessen Baß-Solo-Auftakt das Stimmvolumen der Baßstimmen in ungeahnte Höhen ausreizte, schloss sich - beginnend mit tiefem Summen aus über sechs Dutzend Männerkehlen - Vangelis Titelmusik zu „Conquest of Paradise“ (Vangelis) an, deren Kunstsprache von den Iffezheimer Sängern sauber akzentuiert in bewegende Musik umgesetzt wurde und die Zuhörer in ihren Bann schlug.

Mit der deutschen Version des Spiritual „Climbin' up the Mountain“, bei dem Klaus Martin Kühn am Piano sein Improvisationstalent auslebte, eröffnete der Männergesangverein-Liederkranz seinen Zyklus rhythmischer, nordamerikanischer Sakralmusik. In „Jacob's Ladder“ (Bearbeitung Arnold Kempkens) spielte der Chor à cappella souverän seine ganze dynamische Bandbreite aus. Ein weiteres Glanzlicht in dem an Höhepunkten wahrlich nicht armen Abend setzte der Männerchor mit dem Gospel „Rock my Soul“ (Peter Brettner).

„Wochenend und Sonnenschein“ (Milton Ager) und dazu einen Konzertabend des Männergesangverein-Liederkranzes was braucht man mehr zum Glücklichsein? Die Rhythmusmaschine des Zweiten Baßes forcierte bei diesem Evergreen aus den Zwanziger Jahren die melodieführenden Stimmen und führte  mit  Schwung und Elan in das Wochenende.

Der Schluß des offiziellen Teils war zugleich schelmischer Höhepunkt: Eine von Chorleiter Herbert Szymanski speziell für „seinen Männerchor“ bearbeitete, parodistische à cappella Glanznummer, in welcher die Sänger des Männergesangverein-Liederkranz augenzwinkernd ihre Souveränität, ihre Coolness, ihre Omnipotenz  besangen und es in ihrem 150. Vereinsjahr auf den Punkt brachten: „Männer mag man eben“ (Hans Unterweger). Daß man sie dafür liebe, zeigten die lang anhaltenden stehenden Ovationen der restlos begeisterten Zuhörer im ausverkauften Rund der BBAG-Auktionshalle, deren Akustik von Seiten der Gemeinde eigens für dieses Konzert  mit Vorhängen und Teppichböden optimiert wurde.

In den Zugaben zog der jung gebliebene Chor nochmals alle Register seines Könnens und fesselte, mit wechselnden Ostinati und in  italienischer Sprache gesungen, mit „Bènia Calastoria“ (Bepi de Marzi) die Zuhörer, um dann nach „Conquest of Paradise“, „Rock my Soul“ seine Konzertgäste nach nicht enden wollendem Applaus in die Sommernacht zu entlassen.