Kappenabend 2024

(Text & Bilder: Werner Kneipel)

Wer am vergangenen Samstag seinen Abendspaziergang vorbei an der Iffzer Festhalle machte, bemerkte sicher, wie sich die Außenwände der Halle rhythmisch leicht nach außen wölbten. Es könnte sogar sein, dass sich das Dach dabei gelegentlich um einige Millimeter hob und senkte. Ab 19.11 Uhr stand die Festhalle jedenfalls unter Dampf – und der Druck musste ja schließlich irgendwo hin. Sängervorstand Kilian Leuchtner begrüßte die gespannt wartende Narrenschar und freute sich über eine Halle, die bis auf den letzten Platz gefüllt war. Wieder war es den Organisatoren des MGV gelungen, ein prominentes Moderatorenpaar für diesen Abend zu gewinnen.

Simon Nold, alias Andreas Gabalier, und Andreas Merkel, alias Roland Kaiser, spielten sich wieder einmal gekonnt die Bälle zu und führten das Saalpublikum mit ihren witzigen Doppelpässen durch diesen Abend. Der Fanfarenzug eröffnete die Fete vor heimischen Publikum in bekannter Manier: laut und deutlich und gekonnt. Wer bis dahin nicht wußte, dass Fastnacht ist, dem wurde es jetzt getrommelt und „gepfiffen“.
Den Fanfaren folgte die Mini-Garde das ICC auf dem Fuße. „Super Marios“ und Prinzessinnen, die mindestens genauso super waren, eroberten die Bühne für sich und bezauberten mit kindlichem Charme das Publikum.

Zehn MGV-Sänger besangen als nächstes die Getränke dieser Welt, wobei aber deutlich wurde: Ihre Welt ist der Gerstensaft. Das Jahresprogramm der Iffzer „Olympischen Spiele“, die man beim Besuch der verschiedenen Veranstaltungen der Ortsvereine zwangsläufig mitmacht, machte deutlich, dass dies alles nicht nur Fingerschlecken ist, sondern durchaus das Letzte von den Teilnehmern fordert. Übrigens: die Iffzer Damenwelt wird ja in Liedern gerühmt ob ihrer Schönheit. Doch auch die Männer sind gelungen! Aber leider werden die ja nie besungen… Darüber sollte man mal ernsthaft nachdenken.

Ein Trupp der Iffezheimer Feuerwehr rückte danach in unseren Musentempel ein und setzte dem erstaunten Publikum auseinander, wie die Geschichte mit Schneewittchen wirklich vonstatten gegangen war. Schneewittchen, das Mädchen mit dem kürzesten Rock und den längsten Beinen, die die Gebrüder Grimm jemals gesehen hatten, verzauberte sechs Zwerge. Ja! Es waren nämlich einst sechs Zwerge und keine sieben, wie man uns immer weiszumachen versuchte. Personalmangel gab’s eben zu allen Zeiten! Was soll man lange drumrum reden: Am Ende ging die Geschichte doch wieder gut aus. Eines ist aber nach dem Gesehenen vollkommen klar: Feuerwehrmänner sind zu allem fähig.

„In der Kirche“, das war der Arbeitstitel von Christine und Karlheinz Merkels Duett. In der Kirchenbank kniend sieht man die Welt aus einer ganz anderen Perspektive. Einerseits drückt die harte Kirchenbank während der mal wieder zu langen kirchlichen Veranstaltung gewaltig auf die Knie. Andererseits scheint genau dieser Umstand den Blick dafür zu schärfen, was um einen herum so alles geschieht. Natürlich hat Mann Durst und natürlich weiß Frau ganz genau, dass von gewissen Leuten schon seit Monaten nichts mehr im Klingelbeutel klingelte. Mal ganz abgesehen davon gab es über einzelne Verfehlungen und Verirrungen der versammelten Christenschar einiges zu berichten. Das war ein Beitrag, wie wir ihn uns auch für die Zukunft immer wieder wünschen: treffend(!), äußerst komisch (!!) und niemand verletzend (!!!).

Genauso verfuhr danach Fensterguckerin Gaby Merkel, die in den vergangenen Jahren immer wieder ein paar „Opfer“ fand, die sie von ihrem Küchenfenster aus beobachten konnte. Wer Gaby in den nächsten närrischen Tagen zufällig trifft, muss sich von ihr unbedingt die Geschichte von dem Handy im Klo erzählen lassen!

Frage: Was macht der gemeine Angler aus’m Ried in den langen Sommermonaten, wenn er still und regungslos an irgendeinem Tümpel den Wurm badet und wartet und wartet und wartet….? Er meditiert und sammelt Kraft! Er sammelt Kraft für einen Auftritt auf den Bühnen, die die närrische Welt bedeuten. Der Saal konnte kaum glauben, was ihnen die Wintersdörfer Angler da boten. Wilder Westen der wildesten Art. Cowboys, Indianer und eine ganz besondere energiegeladene Tanzmaid mit leichtem Flaum um Kinn und Lippen. Wenn es mal mit den Fischen im Ried nicht mehr so richtig klappt, kann diese Truppe ihre Brötchen anders verdienen. Als sie zum Schluss noch ein richtiges Pferderennen auf der Bühne inszenierten, hatten die Rieder vollends die Herzen ihrer Nachbarn gewonnen. Bitte, ihr Rieder, badet im Sommer weiterhin den Wurm… und sammelt Kraft für die nächste Kampagne.

Dass die Omas von heute auch nicht mehr so sind, wie sie vermutlich nie waren, belegten Marina Strobel und Stefanie Reith. Die Oma von heute hat ihr Motorrad von früher längst gegen einen schicken E-Roller getauscht, mit dem sie nun die Hühner über den Hof jagt. Und wenn sie denn mal zur Ruhe kommt, wundert sie sich natürlich über ihre Umwelt, die unter anderem ständig Pakete vom Amazonas bekommt…. „Von so weit her! Des muss ma‘ sich mol vorschtella!!“


Gern gesehene Gäste beim Kappenabend sind auch immer die „Sallis“, die sich diesmal den Lehrermangel zum Thema genommen hatten. Als Quereinsteiger tauchten da die seltsamsten Gestalten auf, die auf die heutige Jugend losgelassen wurden. Vermutlich zu einer Geografiestunde tauchte ein fast echter Inder auf, von dem man am Ende die lebensnahen Worte zu hören waren: „Du wolle Rose kaufe?“. Ein Mafia-Don machte den Schülern „Angebote, die sie nicht ablehnen konnten…“ In den Englischunterricht verirrte sich ein irischer Auktionator, der in Windeseile und vollkommen unverständlich irgendeinen abgehalfterten Zossen vom Pult aus für immerhin 80000 Euro zu versteigern wusste.

„Mit 60 ist noch lange nicht Schluss!?“ – das behauptete und bewies letztlich der Jahrgang 1963. Zumindest können das die weiblichen Angehörigen dieses Alters von sich behaupten. Von den Männern dieses Jahrgangs fand nur einer den Weg zum andächtigen Ausdruckstanz! Heiko Müller bewegt sich als „Ken“ im Kreise seiner früheren Schulkameradinnen mit energiegeladener Grazie. Mal sehen, wie diese tolle Truppe in 10 Jahren daherkommt.

Karlheinz Merkel führte dem Publikum vor Augen, was es bedeutet, plötzlich und unversehens Rentner zu sein. Und dass sich in diesem Dasein Traum und Wirklichkeit hart im Raum stoßen.
Nix mit liegenbleiben und noch mal rumdrehen im Bett, wenn dem Morgen graut… Da werden vom Ehegespons schon die Tagesparolen ausgegeben, die den rüstigen Rentner den Tag über beschäftigen sollen. Angesichts dieser angespannten Lage ist die Überlegung nicht fern, wieder ins Geschäft zu gehen, wo man(n) wieder Herr über Zeit und Raum ist. Karlheinz‘ Überlegungen werden wohl noch eine Weile andauern…

Ein erneuter Auftritt der Iffezheimer Fanfaren kündigte dann das Ende des offiziellen Programms an. Vorstand Kilian Leuchtner bedankte sich zum Schluss nicht zuletzt beim Publikum und bei allen, die zum Gelingen des Kappenabends auf der Bühne, hinter der Theke, in der Küche und im beigetragen haben. Auch die Musiker dieses Abends, Marco & Michael, wurden ausdrücklich gelobt und gepriesen. Vor allem ihre Unterstützung bei der Beschallung und mit ihrer Bühnentechnik waren unschätzbar.
Mit seinem Dank setzte Kilian Leuchtner den Schlusspunkt hinter ein Fest, mit dem sich unser Ort selbst feierte. Mit der traditionellen Polonaise durch die verließen die Künstler dieses Abends die Bühne. Gerüchte besagen allerdings, dass sich die Halle nur langsam leerte und das dieses Fest noch einen langen, eine sehr langen Nachhall fand.