Mit 160 ist noch lange nicht Schluß!

Mit einer etwas anderen Zeitreise durch unsere Geschichte feierten wir unseren 160ten Geburtstag. Vom großartigen Geschichtenerzähler Hubert Müller durch die Jahrzehnte geführt, riß unser Chor unsere Gäste ein ums andere Mal zu Beifallsstürmen hin.

Welch ein Empfang: Eine hell strahlende Fanfare, bei der sich die 49 Stimmen der vier Register in perlenden Melodiebögen, in eigenen Rythmen, zu herrlichen Harmonien verwoben, um sich unter dem sicheren, leichthändigen Dirigat von Mercedes Guerrero Arciniegas immer wieder zum Hohelied auf die Musik aufzuschwingen: „Viva la Musica! Cantemus!“ (Lorenz Maierhofer). „Es lebe die Musik! Laßt uns singen!“. So mögen auch die Gründerväter empfunden haben, als sie vor 160 Jahren den Männergesangverein ins Leben riefen.

In Verneigung vor unseren Vereinsahnen hatten wir Sänger aus den Tiefen unseres Notenschrankes mit Friedrich Silchers „Schifferlied“ eine der ältesten Chorliteraturen des Vereines geborgen. „Es löscht das Meer die Sonne aus!“ hob der Klangkörper an und prächtige Stimmen erfüllten die Halle mit dem leuchtenden Rot der untergehenden Sonne. Mit dem Verklingen der letzten Töne des Abendrots hauchten die Sänger die Stille der „Nacht“ (Franz Schubert) in die Festhalle. Himmlische Ruhe breitete sich über den Zuhörern aus, die in die blaue Ferne des Sternenzeltes entrückten. Mit beiden Stücken bewiesen wir Männer, daß wir die klassischen Meisterwerke des Männerchorgesanges meisterlich beherrschen.

Ungläubige Verwunderung spiegelte sich in manchen Gesichtern, als „Oh, Du lieber Augustin“ auf der Bühne erklang, das sich in Gelächter auflöste, als die Beat-Box aus den sonnenbebrillten Registern Fahrt aufnahm und aus dem Kinderlied ein ausgewachsener Rap wurde, den neuen Männergesangverein Liederkranz ankündend.

Mit Hubert von Goiserns „Heast as net?“ beeindruckender Ballade um den Lauf der Zeit, dem Werden und Sterben, bei der traditionelles alpenländisches Liedgut mit modernem Pop eine grandiose Symbiose eingeht, nahmen wir Herren Sänger unser Publikum durch die Zeiten der Kriege um die Vorherrschaft in Europa mit in die Goldenen Zwanziger des vorigen Jahrhunderts. Der ersten Boygroup der Geschichte, den „Comedian Harmonists“, huldigten wir mit „Veronika, der Lenz ist da!“. Kräftige Bassstimmen eröffneten die Titelmelodie „Exodus“ des gleichnamigen Films und zeigten welches Potential in den tiefen Stimmen schlummert.

Nach der Pause erwartete unser Publikum ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus: Bob Segers „Old Time Rock & Roll“ entströmte den Kehlen, Christian Leuchtner rockte auf der Gitarre, Michael Metz zupfte den Baß, Ana Chos Finger perlten über die Tasten, Benedikt Zoller schlug den Takt vor und die Damen von „Be in Motion“ legten im getupften Kleid überm Petticoat eine äußerst kesse Sohle aufs Parkett. Einen Auftritt den das Publikum jubelnd feierte.

Klassische Romantik im modernen Gewand: Mit Leon Dubinskys hymnischer Ballade „We rise again“ um den Kreislauf des Lebens, rührte der Chor so manchen Zuhörer zu Tränen.

Den Refrain in Englisch, die Strophen in Deutsch erinnerten wir mit „Rivers of Babylon“ an die 70er, als der Pop allmählich Einzug ins Repertoire der Eichen umstellten Männerchöre hielt. Um diese Zeit waren zahlreiche Jugendliche dem Chor beigetreten und bewiesen an diesem Abend sechzehn Mann hoch mit „Ein Freund, ein guter Freund“ und der Humoreske „Die alten Säcke“, daß sie wahrlich noch nicht zu eben jenen gehören.

Peter Fox' bereits im "Hautnah" - Konzert präsentiertes „Haus am See“ markierte die mit Mercedes Guerrero eingezogene neue Zeitrechnung. Schon war die Zeit wie im Flug vergangen und der Chor in der Gegenwart angekommen und so mancher wünschte sich an diesem Abend ewig Zeit, wünschte sich Unendlichkeit, wie in „Tage wie diese“ der „Toten Hosen“.

Kaum war der letzte Ton verklungen, riß es die Zuhörer zu nicht enden wollenden Standing Ovations von den Sitzen. Ein großartiger Lohn für die Monate lange Probenarbeit.

Mit einem Hoch auf unsere temperamentvolle Dirigentin, versicherten wir Sänger in der umgeschriebenen Version von Udo Jürgens Erfolgsschlager: „Mit 160 ist noch lang noch nicht Schluß!“. Ein Versprechen, dem die Zuhörer nach diesem fulminanten Abend gerne Glauben schenkten. „Eine Wucht!“, wie eine begeisterte Zuhörerin ihn bezeichnete.